Aus der Reihe der schnell vergessenen Filzgeschichten aus dem Musterländle: Dunkle Geschäfte bei Daimler. Ein Musterkonzern im Musterländle. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten sieht alles anders aus …
David Bazetta, Buchhalter bei Chrysler, wurde gefeuert. Weil er nun nichts mehr zu verlieren hatte, stellte er mit bestechenden Insiderberichten DaimlerChrysler an den Pranger. Der Konzern habe, so Bazetta, seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Ländern diverse Konten bei den unterschiedlichsten Banken. Und damit nicht genug: Die vielen Konten bei vielen Banken dienten auch der Bestechung vieler ausländischer Regierungsbeamter.
Die SEC (Security and Exchange Commission) fand das gar nicht lustig und ermittelte seit 2004 gegen den Konzern. Das Spiel zwischen Recht und Unrecht begann. Auslandsgeschäfte sind per se kein Verbrechen. Doch wenn Auslandskonten für verdeckte Rabattzahlungen genutzt werden, stellt sich die Frage, ob das in dieser Form legal ist.
2005 wurden erste Vorwürfe der Korruption laut. Daimler reagierte „cool“ und entledigte sich der betroffenen Mitarbeiter auf „diskrete“ Art und Weise. Aufhebungsverträge, die wenig Aufsehen erheben konnten. Nur nichts an die Öffentlichkeit bringen.
Die Ratten verließen das sinkende Boot. Jürgen E. Schrempp, Führungskraft des Konzerns, ging. Schnell und unerwartet, ganz sicher aber nicht zufällig. Er war nicht der Einzige.
2006 stand für viele Spitzenmanager unter keinem gutem Stern. Kündigungen standen ins Haus. Aufräumen im Konzern, die Ermittlungen der SEC blieben nicht ohne Konsequenzen. Schmiergelder, Fremdkonten, Zweckentfremdung von Geldern – und viele Vorwürfe mehr mussten sich die Verantwortlichen anhören und dafür einstehen.
Korruption. Nicht nur hier. Siemens wurde bald im Musterländle ein zweiter Fall. Millionen-Bestechung, mit Nachbeben in die höchsten Etagen. Schwarze Kassen – seither selbstverständlich und alltäglich.
Eine außergerichtliche Einigung mit den Spitzenmanagern ergab zu guter Letzt doch noch eine Einigung: Ein Auflösungsvertrag für alle Spitzenkräfte.
Doch schwarz bleibt die Politik, und wir fragen uns, ob wir diese Undurchschaubarkeit in unseren Alltag integrieren wollen …
Focus -Artikel von 2005 dazu