ThemenFilzgeschichten

Reithinger. Die Bank für kleine Leute

Im August 1957 hat Eugen Reithinger die Reithinger-Bank in Singen gegründet. Große Firmen und reiche Privatiers kamen nicht zu Reithinger, nur die „kleinen“ Leute aus dem Mittelstand. Versicherungen, Immobilien, beides lief gut. Fehlte nur noch ein Bankhaus, um den direkten Kontakt zu den Kunden zu pflegen und ihnen ganz nebenbei noch den einen oder anderen Kredit aufzuschwätzen. Vertrauenserweckend: eine kleine Bank, persönliche Beratung. Und dann: Die Pleite und ein bundesweiter Skandal.

Manfred Reithinger, Sohn des Bankiers, stieg 1973 als gleichberechtigter Geschäftsführer ein. Doch dann ging es bergab. Nicht einmal mehr das 50jährige Jubiläum konnte man feiern, denn im August 2006 musste Reithinger aufgeben, Insolvenz.

Die Badenia-Bausparkasse und ihre Schrottimmobilien

20. November 2003. Eine große deutsche Bausparkasse wirbt mit einem Preisausschreiben, an dem 300.000 Menschen teilnehmen. Eine Familie zieht das große Los: ein Einfamilienhaus im Wert von 150.000 Euro. Badenia hatte die Spendierhosen zur Weihnachtszeit an, ein Haus liegt nicht alle Jahre unter dem Weihnachtsbaum. Es galt, den Ruf neu zu polieren. Denn viele Kunden waren über den Tisch gezogen worden: Immobilien als Altersvorsorge, finanziert über garantierte Mieteinnahmen und Steuersparmodelle, finanzierbar nur über Bausparkredite. Ein lukratives Geschäft, jedoch nicht für die Kunden. Kurz: Die Immobilien waren Schrott und völlig unbrauchbar, um damit Kapital zu erwerben.

Die Machenschaften von Badenia konnte aber auch der Haus-Hauptgewinn nicht vertuschen. 5207 fragwürdige Fälle im Zeitraum von 1988 bis 2000, ein Darlehensvolumen von 729.207.000 DM. Heinen & Biege GmbH (HBG) aus Dortmund, verfilzt mit Badenia, verkaufte munter Wohnungen – und ging im Jahr 2000 pleite. Die Schuldner wehrten sich erfolglos, die Kläger konnten keinen Prozess gewinnen, weil angeblich nichts zu beweisen war.

Ein Musterkonzern im Musterländle

Aus der Reihe der schnell vergessenen Filzgeschichten aus dem Musterländle: Dunkle Geschäfte bei Daimler. Ein Musterkonzern im Musterländle. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten sieht alles anders aus …

David Bazetta, Buchhalter bei Chrysler, wurde gefeuert. Weil er nun nichts mehr zu verlieren hatte, stellte er mit bestechenden Insiderberichten DaimlerChrysler an den Pranger. Der Konzern habe, so Bazetta, seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Ländern diverse Konten bei den unterschiedlichsten Banken. Und damit nicht genug: Die vielen Konten bei vielen Banken dienten auch der Bestechung vieler ausländischer Regierungsbeamter.

Die SEC (Security and Exchange Commission) fand das gar nicht lustig und ermittelte seit 2004 gegen den Konzern. Das Spiel zwischen Recht und Unrecht begann. Auslandsgeschäfte sind per se kein Verbrechen. Doch wenn Auslandskonten für verdeckte Rabattzahlungen genutzt werden, stellt sich die Frage, ob das in dieser Form legal ist.

2005 wurden erste Vorwürfe der Korruption laut. Daimler reagierte „cool“ und entledigte sich der betroffenen Mitarbeiter auf „diskrete“ Art und Weise. Aufhebungsverträge, die wenig Aufsehen erheben konnten. Nur nichts an die Öffentlichkeit bringen.

Die Ratten verließen das sinkende Boot. Jürgen E. Schrempp, Führungskraft des Konzerns, ging. Schnell und unerwartet, ganz sicher aber nicht zufällig. Er war nicht der Einzige.

2006 stand für viele Spitzenmanager unter keinem gutem Stern. Kündigungen standen ins Haus. Aufräumen im Konzern, die Ermittlungen der SEC blieben nicht ohne Konsequenzen. Schmiergelder, Fremdkonten, Zweckentfremdung von Geldern – und viele Vorwürfe mehr mussten sich die Verantwortlichen anhören und dafür einstehen.

Korruption. Nicht nur hier. Siemens wurde bald im Musterländle ein zweiter Fall. Millionen-Bestechung, mit Nachbeben in die höchsten Etagen. Schwarze Kassen – seither selbstverständlich und alltäglich.

Eine außergerichtliche Einigung mit den Spitzenmanagern ergab zu guter Letzt doch noch eine Einigung: Ein Auflösungsvertrag für alle Spitzenkräfte.

Doch schwarz bleibt die Politik, und wir fragen uns, ob wir diese Undurchschaubarkeit in unseren Alltag integrieren wollen …

Focus -Artikel von 2005 dazu