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Kultur für alle statt Logen für Gold und Silber

Die GRÜNEN im Mannheimer Gemeinderat kritisieren die Pläne und das „Kulturkonzept“ der CDU und fordern eine konzeptionelle Auseinandersetzung zur Kulturpolitik.

Miriam Caroli, kulturpolitische Sprecherin der Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN: „Grundsätzlich kann man natürlich über Änderungen der Rechtsform der großen Kultureinrichtungen nachdenken. Bisher musste am Ende die Stadt bei solchen Rechtsformänderungen aber immer wieder finanziell in die Bresche springen. Ohne Klärung der finanziellen Fragen gibt es mit uns ganz sicher keine neue Konstruktionen.“

Die GRÜNEN bezweifeln, dass mit der Änderung der Rechtsform die Kultur zwangsläufig „freier“ wird. Stadtrat Gerhard Fontagnier, ebenfalls für die GRÜNEN im Kulturausschuss: „,Rechtsformänderungen’ sind doch kein Allheilmittel, und sie bringen uns dem Ziel namens ,Kulturhauptstadt’ keinesfalls näher. Wenn wir sonst keine Probleme hätten als das Foyer und die Kassenhalle des Nationaltheaters zu verschönern, dann könnte man sich wahrhaft in einer Loge für Gold- und Silber-Partner zurücklehnen.“

„Wir haben genügend konzeptionelle Aufgaben. Eine der wichtigsten ist, die Kultureinrichtungen noch mehr für breite Bevölkerungsschichten und z.B. auch Migrantinnen und Migranten zu öffnen. Auch die Förderung der Freien Szene hat gerade mal die erste bescheidene Verbesserung erfahren.“, so Miriam Caroli zur Weiterentwicklung der städtischen Kulturpolitik.

Gerhard Fontagnier ergänzt: „Wir müssen raus aus den Elfenbeintürmen. und zum Beispiel Theater in die Stadt bringen und in die Köpfe streuen. Die nachwachsende experimentelle Kultur muss gefördert und der Wegzug von Talenten gestoppt werden. Außerdem muss die prekäre Situation vieler Kunst- und Kulturschaffenden dringend verbessert werden. Hierzu sind jetzt Konzepte gefragt.“

Kultur findet Stadt

Europäische Kulturhauptstadt: Der Weg ist das Ziel. „Europäische Kulturhauptstadt zu werden, das ist weniger Ziel als Prozess“. So knapp bringt Robert Garcia seine Erfahrungen auf den Punkt. Gleich zwei Mal trug seine Heimat den renommierteten Titel. Im Jahr 2007 fungierte Garcia gar als Generalkoordinator und hatte die Aufgabe, fünf Regionen rund um Luxembourg unter eine kulturelle Haube zu bekommen. „Es war schrecklich“, erinnert er sich an die Anfänge und ist trotzdem ein glühender Verfechter des Gedankens. Bei seinem Mannheim-Besuch auf Einladung der grünen Europaabgeordneten Franziska Brantner hatte er indes auch richtig gute Tipps parat. „Ohne zündende Grundidee, die Hirn und Bauch berührt, geht gar nichts“, lautet eine davon, aber auch, „dass der Prozess für eine gelungene Bewerbung, immer von unten nach oben gehen muss“. Garcia war idealer Gesprächspartner einer ungewöhnlichen Veranstaltung. „Kultur findet Stadt“, hatte die Abgeordnete, die für die Metropolregion Rhein-Neckar in Brüssel und Straßburg tätig ist, diese überschrieben. Dabei sollten regionale Kulturschaffende und -interessierte Gelegenheit bekommen, mit international ausgewiesene Experten darüber zu diskutieren, welche Chancen und Risiken eine solche Bewerbung bieten kann. Mit Erfolg: mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Kulturinitiativen, Kommunen, Politik und Kreativwirtschaft, Verbänden und Medien fühlten sich angesprochen und bevölkerten die Jungbuschhalle-plus-x, die an diesem Abend zu einer Art kultureller Mittelpunkt der Metropolregion wurde. Hatte doch „Kultur findet Stadt“ wegen des großen Interesses dorthin umziehen müssen. Verantwortlich für diesen Part der Organisation war Gerhard Fontagnier, Stadtrat, Landtagskandidat und Kultur-Tausendsassa, in dem Franziska Brantner einen kongenialen Mitveranstalter gefunden hatte.