Noch keine faktische Gleichstellung in Sicht – die Quote ist überfällig. Zu der Erkenntnis des Ministerpräsidenten und der Chancengleichheitsbeauftragten der Landesregierung, die „Vision von rechtlicher Gleichheit ist Realität geworden“, erklärt Brigitte Lösch, frauenpolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion: „Es ist reichlich bequem, die Erfolge des heute auf den Tag genau hundertjährigen Kampfes von Frauen für Gleichstellung als historischen Erfolg auszugeben und die noch immer bestehenden Defizite zu benennen, ohne ein Wort darüber zu verlieren, wo das Land selbst in der Bringschuld ist. In der aktuellen Debatte geht es vor allem um die faktische Gleichstellung von Frauen und Männern. Und hier liegt Baden-Württemberg sowohl beim Frauenanteil in den Parlamenten und Gremien wie auch im Bereich Arbeit und Einkommen abgeschlagen auf dem letzten Platz im Länderranking.“
In Baden-Württemberg verdienen Frauen 28,5% weniger als ihre männlichen Kollegen, im Bundesdurchschnitt sind es 23%. Lösch: „Wir wollen den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern bis zum Jahr 2020 auf höchstens 10% reduzieren und uns gemeinsam mit Wirtschaft und ArbeitnehmerInnenvertretung auf ein konkretes Programm zur Verringerung des Gender Pay Gap verständigen. Die Zeit der Appelle ist vorbei.“
Die Einführung einer Quote bringe Parteien wie die Privatwirtschaft dazu, gute Frauen zu suchen und zu fördern. Sie berge ein enormes Innovationspotential, weil sie Unternehmen und die Verwaltung zwingt, langfristige Konzepte zu entwickeln um Frauen gleichberechtigt zu integrieren.
